Abrocken mit dem Präsidenten in Hannover – mal wieder U2
abgelegt unter Musik am 14. Aug 2010
Seit einer Woche bestreiten U2 nun schon den 4. Teil der 360 Grad Tour, der sinnigerweise vor dem 3. Teil stattfindet. Die USA Tour wurde auf nächstes Jahr verlegt, Bono hat lieber die Vorzüge Deutscher Krankenhäuser (wahrscheinlich im Einzelzimmer mit Chefarztbehandlung) genossen und ist wieder putzmunter. Am Donnerstag sollte nun das Konzert in Hannover stattfinden. Dort, allerdings auf dem Messegelände, hatte ich am 20. August 1997 mein erstes U2 Konzert erlebt, nun sollte es mein Comeback in der Leine-Metropole (hab ich mal gelesen) geben. Dank einer guten Vorbereitung und einigen Stunden auf dem bekiesten Vorplatz der Südkurve kam ich erneut in den Genuss, zu dem Erlauchten Kreis des “Inner Circles” zu gehören. Innerhalb der monströsen Bühnenkonstruktion und zwischen Hauptbühne und dem Kreisrunden Umlauf konnte sich Bono kaum mehr als ein paar Meter von mir entfernen. Richtig so! Das Konzert erlebte ich, wie eigentlich alle U2 Konzert, in einem rauschartigen Zustand und so kamen mir die kleinen Pausen, die der Gutmensch unter den Gutmenschen und die Ikone des Gutmenschentums (Bono, Anm. d. Red.) seinen Jüngern gewährte ganz gelegen. Das hat den wunderbaren Nebeneffekt, das man dann auch begriff, wieso man sogar noch in der Schlange vor den wenigen Toiletten von iPad-bewehrten Mitarbeitern diverser Hilfsorganisationen belästigt wurde. Meist half ein “Ich hab schon im Büro gespendet”, diese Leute wieder loszuwerden. Ich konnte leider dennoch nicht die bestätigende Ausnahme zu der von mir vermuteten Regel finden, dass sich nur hässliche Frauen für das Wohl und Wehe sinti-romanischer Vertreibungsopfer einsetzen. Egal, ich wollte rocken und was Kasabian als Supportact ganz ordentlich eingeleitet haben, haben die vier älteren Herren aus Dublin ganz gut fortgeführt. Wenn da halt nicht dauernd diese weltretterischen Ansprachen gewesen wären, die der Show ein wenig das Tempo genommen haben. Dennoch war es mal wieder ein traumhafter Abend, den ich heute noch in den Knochen spüre und so langsam glaube ich sogar, wieder etwas hören zu können.
Das Larry zum Abschluss zu Moment of Surrender ein Hannover 96 (mein Lieblings-HSV) Trikot anziehen musste, muss man nicht unbedingt gutheissen. Auch das man dieses Stück dann noch Robert Enke widmen musste, hat die Stimmung im Stadion von Hannover 96 nicht unbedingt beflügelt. Manchmal ist zu viel Pathos vielleicht doch fehl am Platze.
Immerhin hat sich auch der Präsident (und Ex-Hannoveraner), Herr Wulff, es sich nicht nehmen lassen, volkstümlich mit dem einfachen Volk im Stehplatzbereich abzufeiern. Mich würde interessieren, ob der auch die wenigen besudelten Toiletten im Aussenbereich nutzen musste.
Mein Fazit: In Sachen monströser und selbstverliebter Rockgigantomanie sind U2 immer noch das Mass der Dinge. Mein drittes Konzert der aktuellen Tour wird sicher (leider) auch mein letztes sein (wenn mir nicht zufällig jemand Karte und Flug für das Konzert in München spendieren mag, Spendenquittung möglich!).
Auf u2tour.de gibt es übrigens eine ganz nette Fotogalerie zum Konzert.
